Küchenfachmontage

14:25 Uhr – Die „ab ca.14.00 Uhr“ avisierten Küchenfachmonteure (KFM) sind da. Ich freu’ mich.

14:31 Uhr – KFM No. 1 sammelt im Garten unseres Nachbarn seine Arbeitszettel auf. Böser Wind!

14:55 Uhr – Die Demontage des falsch gelieferten, weil nur über einen Kaltwasseranschluss verfügenden Geschirrspülautomaten ist erfolgreich abgeschlossen. Hurra! Das neue bithermische Gerät (es verfügt über einen Kalt- und einen zusätzlichen Warmwasseranschluss zur Nutzung der Solarthermie) lässt sich allerdings nicht anschließen. Dem steht die Tatsache im Weg, dass die Warmwasserzuleitung nicht mit einem Eckventil versehen ist, erläutert mir KFM No. 2 fachmännisch. Ich verscheuche die in mir aufkommende Frage, ob dies wohl dem KFM No. 1 bei der Erstmontage hätte zur Kenntnis gelangt sein können. Und lenke mich mit der Überlegung ab, warum es nicht analog zum Tierreich wechselwarme Küchengeräte gibt.

14:58 Uhr – Der Waschtischunterschrank ist eine Sonderanfertigung nach detailliertem Aufmaß. Schade nur, dass die Schublade keinen Ausschnitt für den Siphon vorsieht. Ließe sich das Waschbecken vielleicht ohne Ablauf nutzen? Wir könnten es doch auch nach Benutzung leer schöpfen. Hauptsache, fließend Wasser. Von fließend Abwasser redet kein Mensch. Böser Siphon!

15:11 Uhr – Es ist so still … nichts weiter passiert?

15:22 Uhr – Ich bin beruhigt. Es geht weiter, und es passiert auch wieder etwas. Wir, das sind KFM No. 1 und ich, sind uns einig. So ein Siphonausschnitt in der Rückwand einer Schublade sollte mittels Reling, Brüstung oder trivial ausgedrückt, irgend einer Form von Umkastelung davor bewahrt werden, zum Bermudadreieck der Kosmetikartikel meiner Frau zu mutieren. Entsprechende Umbaumöglichkeiten seien vorhanden. Ich bin beruhigt. In der Tischlerei, nicht hier bei uns vor Ort. Ich bin nicht wirklich beruhigt.

15:25 Uhr – Der fehlende Warmwassereckabzweigstutzen ist eigentlich ein fehlender Kaltwassereckabzweigstutzen. Verstanden? Nun, ganz einfach. Einer ist da. Einer nicht. Der daseiende ist warm, nicht kalt. Der abwesende ist kalt, nicht warm. Der alte Geschirrspülautomat (wir erinnern uns: der falsch gelieferte) war also am Warmwassereckabzweigstutzen angeschlossen. Der damit nur vermeintlich fehlte. Schade nur, dass jetzt der Kaltwasser… Ach, das erklärt auch, warum aus unserer Spülen-Armatur in der Kaltstellung des Einhebelmischers Warmwasser floss. Ich fühle mich erleuchtet. „Unsere Spülen-Armatur“ klingt, das bemerke ich gerade, eigentlich zu vertraut. Denn genau gesagt ist es die dritte Spülen-Armatur. Die erste hat KFM No. 1 kaputt montiert, die zweite war ein nicht baugleiches „baugleiches Modell“ und die dritte … siehe oben.

Ach so ...

16:06 Uhr – Ich langweile mich, es läuft im Moment schlicht zu gut. Ich nutze die Zeit sinnvoll und räume den Kühlschrank und den Mikrowellenschrank aus. Die beiden Elemente werden getauscht. Ein Planungsfehler unsererseits. Den unsere nach wie vor ultranette Küchenplanungsfachfrau bei der Küchenplanung zwar im Stillen, sprich, in sich ganz tief drin, aber eben nicht im Lauten uns gegenüber bemerkt hat. Schade. Doch der Umbau (sie ist wirklich ultranett) erfolgt kostenneutral.

16:15 Uhr – KFM No. 2 berichtet mir gerade, die Verblendung zur Montage des bithermischen Geschirrspülautomaten sei falsch geliefert worden. Der ebenso geneigte, wie auch inzwischen bauherrlich denkende Leser vermutet, dass sie für einen monothermisch kaltangeschlossenen richtig gewesen wäre? Nun, gut gedacht, aber weit gefehlt. Der Geschirrspülautomat hätte, sollte der Rahmen passen, unabhängig von seinen thermischen Vorlieben, ein Elektroherd sein müssen. Warum ist er das eigentlich nicht? Er könnte sich morphen. Böses Gerät!

16:30 Uhr – Seitenumbruch in Word.

16:32 Uhr – Eine Schattenleiste heißt Schattenleiste, weil sie ein Dasein im Verborgenen führt. Oder ein Abwesendsein. Ein Nichtsein. Weg. Die Maßanfertigung Waschtischunterschrank hat, wie wir inzwischen entdecken durften, eingebaute kostenlose Features. So zum Beispiel die selten zu beobachtende absente Schattenleiste.

16:52 Uhr – Ich bin dankbar, eine Gelegenheit zu erheischen, mir unbemerkbar die geheimen Kniffe erfahrener KFM abzugucken. Man markiere und bohre zwei Löcher in die Fliesen, nehme dann aber einen Montagewinkel mit nur einem. Auf diese Weise bleibt immer das zweite Loch als Reserveloch erhalten. Das könnte sich noch als rettend erweisen, falls sich das erste zusetzt oder gar ganz verschwindet. Hammer! Es sind diese sorgsam tradierten Geheimnisse der Gilde, die es uns Laien immer verwehren werden, fachgerechte Montagen alleine durchzuführen.

Der Kniff

17:13 Uhr – Die Kante der Kühlschrankfront erweist sich als schadhaft. In Augenhöhe. Das ist nicht wirklich tragisch. Wenn ich in die Knie gehe, kann ich die Stelle kaum noch sehen. Da bin ich tolerant. KFM No. 2 sieht es hingegen ganz genau und notiert sich die Front zum Tausch.

17:43 Uhr – Unser Waschtischunterschrank verfügt im Sichtbereich über ausgefräste Griffmulden in ursprünglicher Spanplattenoptik. Der Gestaltungsansatz definiert sich über den formalen und materiellen Kontrast. Hier erkenne ich den Stil von Walter Gropius, der 1919 das Staatliche Bauhaus in Weimar gründete, in einer neoprovokativen Interpretation.

18:20 Uhr – Feierabend für zwei glückliche KFM, die stolz ihr unvollendetes Tagwerk betrachten. Doch ich habe noch lange nicht frei. Der Abwasch steht an – von Hand.

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